Predigten & Impulse

Hier versuchen wir immer mal wieder schon gehaltene Predigten in schriftlicher Form zu veröffentlichen.

Wir wünschen Ihnen Gottes reichen Segen und ein »hörendes Herz«!

Sie können uns natürlich gern an Ihren Erfahrungen, sowie Kritik & Lob in Form eines Kommentars teilhaben lassen oder eine persönlichen Nachricht an unsere Pfarrer schicken.

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes"

Zum besseren Verständnis des Gottesdienstes – Teil 1

An vielen Sonntagen im Jahr erklingen in unseren Gottesdiensten die alten und wohlvertrauten liturgischen Gesänge. Wir singen mehr oder weniger bewusst oder unbewusst mit. Aber was singen wir da eigentlich? Und warum singen wir es? Welche Bedeutung haben die einzelnen „liturgischen Stücke" des Gottesdienstes? Und wie ist er eigentlich entstanden, unser evangelischer Gottesdienst? An dieser Stelle will ich unseren Gottesdienst etwas genauer erklären. Ich beginne mit einer kurzen Geschichte des Gottesdienstes.

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Jahreslosung 2016

Gott spricht: Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet.
Jesaja 66, 13

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Gedanken zur aktuellen Flüchtlingskrise

Während ich diese Zeilen schreibe gehen bewegende Bilder durch die Medien. Flüchtlinge in Ungarn werden zurückzuhalten. In München kamen an einem Wochenende über zehntausend Menschen an. Richtig erfassen kann es noch keiner und es gab seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in unserem Land auch keine vergleichbare Situation. Die Herausforderungen an die Politik aber auch an die Städte und Gemeinden sind enorm. Auch in Eppendorf werden wohl demnächst Flüchtlinge untergebracht werden. Sie kommen wahrscheinlich aus Ländern, in denen Gewalt, Terror und Krieg herrschen. Sie werden höchst wahrscheinlich auch aus einem anderen Kulturkreis kommen, mit anderen Sitten, Gewohnheiten, einer anderen Sprache usw. Wie gehen wir als Christen mit dieser Situation um? Zwei Haltungen nehme ich allgemein in der Bevölkerung wahr. Da gibt es die einen, die dem ganzen mit großer Euphorie entgegensehen. Viel mehr noch sehe ich aber eine enorme Verunsicherung, die bis zu Ablehnung reicht. Da gibt es viele berechtigte Sorgen. Und es wäre wirklich blauäugig, wollte man die Schwierigkeiten übersehen. Da gibt es aber noch viel mehr pauschale Unterstellungen, die eben so wenig am Platz sind. Ich denke, keiner hat sich diese Situation gesucht. Trotzdem sind wir in dieser Lage gefordert, als kommunale Gemeinde und als christliche Gemeinde in ihr. Der Kern christlicher Ethik ist nach Jesus die Gottes- und die Nächstenliebe. Und was Nächstenliebe heißt, erklärt er mit einer Beispielgeschichte vom sog. barherzigen Samariter. (nachzulesen im Lukasevangelium Kap. 10,29-37) In dieser Geschichte ist es der Fremde, der Samariter, der sich als barmherziger Nächster erweist. Und an den Schriftgelehrten, der sich gern theoretische Gedanken über die Nächstenliebe macht, ergeht am Schluss die Antwort: „Dann geh und mach es ebenso.“

Schaffen wir es als Christen, auf diese Fremden zuzugehen und ihnen nach unseren Möglichkeiten zu helfen? Schaffen wir es, nicht nur theoretisch über Nächstenliebe zu reden, sondern konkret anzufassen wo und wann wir gebraucht werden?

Wie würde es uns selbst gehen, wenn wir durch einen Krieg unsere Heimat verlassen müssten, um in der Fremde neu anzufangen?

Wie würden wir selbst in so einer Situation gern behandelt werden?

Im Namen aller Mitarbeiter und Kirchvorsteher grüßt Sie,
Ihr Pfr. Tom Seidel

Wie die Kinder - Monatsspruch September 2015

Auf der Wiese vor dem Haus blühen Margeriten, orange-rotes Habichtskraut, Glockenblumen, Giersch und Johanniskraut um die Wette. Mancher Erwachsener läuft achtlos darüber hinweg und zertritt die Blüten, für ihn sind sie allenfalls Unkraut. Emma, ein Mädchen im Kindergartenalter aber läuft mit einem Lachen auf die Wiese und pflückt sich einen blühenden Sommerstrauß davon. Mit Begeisterung bringt sie ihn der Mutter. Kinder haben sich Eigenschaften bewahrt, die wir Erwachsenen manchmal längst verloren haben: Kinder sind staunende Entdecker.

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Sommer 2015

Liebe Gemeinde!

Es wird allmählich Sommer und bald beginnt auch wieder die lang ersehnte Hauptreisezeit des Jahres. Wo verbringen Sie in diesem Jahr Ihren Urlaub? Im Ostseewind? In der warmen Inselwelt des Mittelmeeres? Oder lieben Sie das kühlere Schweden? Fliegen Sie mit dem Flugzeug? Fahren Sie mit dem PKW? Sind Sie gar mit Rucksack, Fahrrad oder Paddelboot unterwegs? Oder wird Ihr Garten hinterm Haus in diesem Jahr Ihr Urlaubsdomizil ein? Urlaub tut gut. Weil wir Abstand vom Alltag bekommen, Ruhe und Besinnung aber auch spannende Impulse finden. Weil wir nach Monaten im Büro endlich Luft atmen und Natur sehen. Weil wir endlich einmal Zeit für unsere Hobbys und die Familie haben. Weil wir in fremden Ländern fremde Menschen und fremde Kulturen kennen lernen können. Weil wir aus all dem neue Impulse erhalten, die unser Leben bereichern, die wir in unseren Alltag mitnehmen können. Ob wir nun weit reisen oder hinter der eigenen Gartenhecke bleiben, für uns alle wird die Urlaubszeit in diesem Jahr mit dem Monatsspruch für den Juni eingeläutet: Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest. (1. Mose 32, 27) Jakob hat so mit Gott gesprochen als er selbst auf Reisen war und in der Schlucht des Jabbokflusses nachts mit Gott kämpfte und stritt. Jakob hat mit diesen Worten für seine Reise und für sein ganzes Leben, ja für alle seine Nachfahren im Volk Israel den Segen Gottes erstritten. Durch Jesus Christus gehören auch wir, die wir keine ursprünglichen Nachfahren Jakobs sind, zu den Gesegneten Gottes. So dürfen auch wir für unsere diesjährige Reise oder unsere Urlaubstage im Garten Gottes Segen erhoffen und erbitten. Und nach dem Urlaub mögen wir bereichert an Schwung und Freude in unser Tagewerk zurückkehren.

"Ich kann alles!"

Wenn ein Vierjähriger sagt „Ich kann alles!" dann schmunzle ich. In diesem Alter fehlt einem einfach noch die realistische Selbsteinschätzung. Es gehört zur Reife eines Menschen, auch die eigenen Begrenzungen zu kennen und anzuerkennen. Ich kann nicht alles. Immer wieder werden mir meine Grenzen, manchmal auch schmerzhaft, vor Augen geführt. Beim ersten Lesen klingt der Monatsspruch für den Monat Mai wie der unreife Satz des Vierjährigen: „Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt." (Philipper 4,13) Paulus schreibt diesen Satz an die Christen in Philippi im heutigen Griechenland. Er sitzt im Gefängnis, während er diesen Brief schreibt. Und er spricht auch nicht von grenzenloser Selbstüberschätzung, sondern von seinem Vermögen, mit durchaus misslichen Situationen umzugehen. Er schreibt davor: „Ich habe gelernt, in jeder Lage zurechtzukommen: Ich kenne Mangel, ich kenne auch den Überfluss. Alles und jedes ist mir vertraut: das Sattsein wie der Hunger, der Überfluss wie die Not." (4,11-12)

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Darum ehrt Gott, indem ihr einander annehmt, wie Christus euch angenommen hat.

Liebe Gemeinde!
Besitzen Sie auch so einen Flickenteppich, wie er auf dem Gemälde von Stefanie Bahlinger zur Jahreslosung abgebildet ist? Ganz unterschiedliche Stoffflicken sind darin zu einem schönen Ganzen verwebt, grobe und feine Muster, helle und dunkle Farben wechseln einander ab. Auf dem Gemälde ist der Flickenteppich ein Symbol für die Kirche. Sie besteht ja aus ganz unterschiedlichen Menschen, unterschiedlichen Kirchgemeinden, ja unterschiedlichen Konfessionen. Es gibt in den weltweiten Kirchen und auch bei uns in der Sächsischen Landeskirche ganz verschiedene Weisen, Christ zu sein. Ich stelle mir vor, dass Gott wie ein Schneidermeister im Flickenteppich Kirche die unterschiedlichsten Stoffe zusammengefügt hat.

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Adventszeit

Die letzten Wochen des Jahres stehen vor der Tür. Adventszeit, das heißt kahle Bäume und früh ist es noch dunkel. Die Vögel singen nicht mehr, manchmal liegt auch  schon Schnee. Adventszeit, das heißt für mich viele Kerzen und gemütliche Stunden, Räucherkerzchen und manch ungewohnte Gerüche. Adventszeit, das bedeutet für mich aber auch hektische Betriebsamkeit, Geschenke fürs große Fest besorgen, Feiern, vieles noch versuchen fertig zu bekommen. Sicher kann man da einiges auch mal entschleunigen oder ganz lassen. Weniger ist manchmal mehr. Aber machen wir uns nichts vor: So ganz kommen wir da nicht raus. Und so kann einem bei der ganzen Hektik schon mal der Atem ausgehen und die Freude verloren gehen. Verständlich. Und darum werden wir in der Adventszeit auch ganz ausdrücklich aufgerufen, uns zu freuen. Paulus tut es in seinem Brief in die Christen in Philippi gleich zweimal: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“ (Philipper 4,4-5; Wochenspruch 4. Advent)

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Gedanken zum September 2014

Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Verzagtheit, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Zuversicht.

2. Tim. 1,7

Heute Morgen wurden die Höhenzüge um Großwaltersdorf bereits von grauen Nebelschwaden eingehüllt. Obwohl wir meteorologisch noch Sommer haben, erinnert mich in diesen Tagen Anfang-Mitte September, in denen ich diese Andacht für das neue Gemeindeblatt schreibe, manches schon an den Herbst. Bald werden auch die Bäume ihr Laub abwerfen und die Vögel werden sich für ihren Flug in den Süden rüsten. Die Sonne wird mehr und mehr ihre Kraft einbüßen und die Tage werden merklich kürzer sein. Viele von Ihnen werden wieder auf den Gräbern Laternen aufstellen und ich werde ihr Licht von meinem Arbeitszimmer aus sehen können, wenn es dunkel ist. Herbst heißt vom Sommer, von der Wärme, von den Blumen, vom Sonnenlicht und langsam vom Jahr Abschied zu nehmen.

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Gedanken zum Juli 2014

Sommerzeit ist Blumenzeit. Mancherorts blühen jetzt wunderschöne Wildblumen, roter Klatschmohn, weiße Margeriten, weiße Schafgarbe, blaue Glockenblumen und andere Blüten in Gelb, Blau, Rot, Lila und Weiß.
Die Farben der Natur sind niemals eintönig, sondern bunt gemischt, wie unser Leben auch. Überhaupt ist so eine Wildblumenwiese ein schönes Gleichnis für das Menschenleben mit seinem Kommen und Gehen, seinem Wachsen und Vergehen.

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Monatsspruch Juni 2014

Wenn ich mit Konfirmanden über das Thema Kirchenjahr spreche, merke ich, wie schwer das zu erklären ist: Pfingsten. Weihnachten ist da einfacher: da wird ein Kind geboren, in ärmlichen Verhältnissen, aber doch Gottes Sohn. Auch Karfreitag und Ostern lässt sich gut veranschaulichen: Jesus stirbt am Kreuz und steht am dritten Tag wieder auf. Aber wie erklärt man Pfingsten? Auch dem Evangelisten Lukas, der in seiner Apostelgeschichte das erste Pfingstfest beschreibt (Kapitel 2), ist eine gewisse Verlegenheit abzuspüren. Er erzählt von einem Rauschen wie von einem starken Wind. Und dann erscheinen der verängstigen Schar der Schüler von Jesus so etwas wie züngelnde Flammen. Und das Ganze hat mit Gottes Geist, dem Heiligen Geist zu tun. Den kann man nicht sehen, man kann ihn nur mit Bildern beschreiben (Wind, Feuer). Aber man kann seine Wirkungen wahrnehmen! Wo Gottes Geist wirkt (auch heute!), da ist  Aufbruch statt Resignation. Da werden Christen mutig, Jesus zu bekennen und in seinem Namen für andere da zu sein. Wo Gottes Geist wirkt, da sammelt sich Gemeinde, um gemeinsam auf Gottes Wort zu hören, zu beten und miteinander Abendmahl zu feiern. Wo Christen Gottes Geist Raum in ihrem Leben geben, da werden sie verändert, da wächst etwas Neues. „Früchte“ nennt Paulus das im Monatsspruch für Juni.

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Predigt zum Ostersonntag 2014 über 1.Korinther 15, 19-29

Liebe Gemeinde,

in der Karwoche sitzt ein Pfarrer bei Bier in der Dorfkneipe und spielt mit seinen Skatbrüdern eine Partie Karten. Der Pfarrer meint den anderen überlegen zu sein, und bringt deshalb eine kühne Wette auf den Plan. Wenn er im Skatspiel verlieren sollte, würde er allen Leuten in der Kneipe die Rechnung des heutigen Abends bezahlen. Aber dann geschieht das für ihn so Unerwartete, er macht den letzten Platz. Ist es an sich schon merkwürdig, dass ein Pfarrer in der Karwoche bei Bier in der Kneipe sitzt, so muss man über diesen auch noch sagen, dass er ein schlechter Verlierer ist. Er streitet vehement ab, überhaupt jemals diese Wette eingegangen zu sein. Er zetert so lange, bis sich seine Skatbrüder auf einen Kompromiss einlassen. Seine Spielschuld wird ihm erlassen, wenn es ihm gelingen sollte, in der Osterpredigt dreimal das Wort „Trumpf“ einzubauen. Die Tage bis Ostern ist das ganze Dorf in großer Spannung, ob und wie der Pfarrer die schwierige Aufgabe bewerkstelligen würde. Am Ostersonntag ist die Kirche voll wie sonst nie und eine angespannte Stille herrscht, als der Pfarrer auf die Kanzel steigt. Was würde er jetzt sagen? Dann beginnt er seine Predigt und erzählt: „Als das Grab am Ostermorgen leer war, da rief Gott Trumpf, Trumpf, Trumpf.“

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Die Ostergeschichte

Als der Sabbat vorbei war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um den Leichnam Jesu einzubalsamieren.

Ganz früh am Sonntagmorgen, als die Sonne gerade aufging, kamen sie zum Grab. Unterwegs hatten sie sich überlegt, wer ihnen den Stein vom Grabeingang wegrollen könnte, denn er war sehr groß.

Aber als sie hinsahen, bemerkten sie, dass der Stein schon entfernt war.

Sie gingen in die Grabhöle hinein und sahen dort auf der rechten Seite einen jungen Mann in einem weißen Gewand sitzen.

Sie erschraken heftig. Er aber sagte zu ihnen: "Habt keine Angst! Ihr sucht Jesus aus Nazareth, der ans Kreuz genagelt wurde.

Er ist nicht hier; Gott hat ihn vom Tod erweckt! Hier seht ihr die Stelle, wo ergelegen hat. Und nun geht und sagt es seinen Jüngern und Petrus:

'Er geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen, genau, wie er es euch gesagt hat.'"

 

Da verließen sie die Grabhöle und flohen. Sie zitterten vor Entsetzten. Und weil sie solche Angst hatten, erzählten sie niemand etwas davon.

(Markus 16, 1-8)

„Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.“

(Joh 16,20 Monatsspruch April)

Verängstigt blicken die Jünger drein, als sie da mit Jesus beisammen sitzen und er Ihnen offenbart, dass sie nur noch eine kleine Weile beisammen sein werden. Es ist die letzte gemeinsame Zusammenkunft der dreizehn, bevor Jesu grausam am Kreuz hingerichtet wird, wovon die Jünger noch nichts wissen. Sie fragen sich ängstlich und sorgenvoll: Was bedeutet das, noch eine kleine Weile? Wie lange wird diese kleine Weile dauern? Wie wird es weiter gehen ohne Jesus, wird überhaupt weitergehen, was so gut angefangen hat?

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„Gott nahe zu sein ist mein Glück.“

(Psalm 73,28 – Jahreslosung 2014)

Liebe Gemeinde,
am 1. Advent werden wir sie wieder aufhängen, die Adventssterne aus Herrnhut. Sie werden uns den Weg bis zum Weihnachtsfest erleuchten, wo wir Gott ganz nahe sind, wo Gott uns ganz nahe kommt. Wo wir uns dankbar daran erinnern können, dass Gott in Christus Mensch wurde. „Gott nahe zu sein ist mein Glück“, heißt es in der Jahreslosung für 2014 aus Psalm 73. Doch wird die Zeit kommen, in der wir die Sterne wieder abhängen und einpacken, in der also das adventlich-weihnachtliche Sternenlicht verlischt. Wie wird es im kommenden Jahr mit dem Glück und der Nähe Gottes weiter gehen? Wird uns das Glück hold sein, wird uns Gott nahe sein? In der heutigen Zeit sagt man oft – auch unter Theologen –, dass gelungenes Leben Glück bedeutet. Aber was ist, wenn das neue Jahr Unglück beschert, was niemand hofft?

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