Monatsspruch August 2018

Wie reden wir als Christen über Gott? Der Monatsspruch für August tut es in einer sehr pointierten Weise. Da schreibt Johannes: Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm. (1. Johannes 4,19) Gottes Wesen ist Liebe. Diese Liebe ist nicht etwas, was zu Gott hinzuaddiert würde, nichts was er sich gelegentlich zulegt und was er darum auch wieder ablegen könnte. Die Liebe ist keine Tugend, keine antrainierte Fähigkeit. Jedes bisschen an Gott ist vielmehr durchtränkt, geformt, bewegt, bestimmt und durchwebt von der Liebe. Und zwar von der Liebe zu uns. Von nichts anderem könnte man das in gleicher Weise behaupten, nicht von Gottes Gerechtigkeit, nicht von Gottes Kraft, auch nicht von Gottes Wissen. Mit nichts anderem sollen wir Gott so identifizieren wie mit Liebe. Gott ist Liebe.

Gottes Wesen ist Liebe, und diese Liebe gilt uns. Du bist – ob Du es weißt oder nicht, ob Du es fühlst oder nicht, ob Du meinst es zu verdienen oder nicht, ob Du gerade gut drauf bist oder völlig neben der Spur – Du bist von Gott geliebt. Du bist in seinem Herzen. Du stehst vor seinen Augen. Du bewegst sein Empfinden. Du rührst ihn zu Tränen. Du bringst ihn zum Lachen. Du bist von ihm umsorgt und umgeben, getragen und erhalten, begabt und gesendet, und das aus einem Grund: weil er Dich liebt. Aus einem Grund, und das ist wichtig. Johannes sagt an anderer Stelle: „Darin besteht die Liebe: Nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden“ (4,10). Beim griechischen Philosophen Plato heißt es, dass sich die Liebe immer auf etwas richtet, was durch seine Liebenswürdigkeit anziehend ist. Etwas ist irgendwie attraktiv und liebenswert, und dann lieben wir es. Bei Gottes Liebe ist es anders, und anscheinend haben wir ein Leben lang damit zu tun, das nachzubuchstabieren: Gottes Liebe findet das Liebenswürdige nicht vor, sondern schafft es erst, so hat es Martin Luther 1518 formuliert. Noch spitzer schreibt er: „Die Sünder sind darum schön, weil sie geliebt werden; nicht darum werden sie geliebt, weil sie schön sind.“

Im Namen aller Mitarbeiter und Kirchvorsteher grüßt Sie Ihr Pfr. Tom Seidel