Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen

Wir gehen in die Abstellkammer, die Kinder voran. Ihre Augen leuchten ein bisschen heller als sonst. Vom Regal holen wir die Weihnachtskisten herunter. Die „Männeln“ werden sanft aus ihrem Jahresschlaf geweckt, um für ein paar Wochen an unserem Leben teilzuhaben. Jede Figur, jedes Stück hat seine eigene Geschichte. Den Vogelfänger-Räuchermann habe ich als kleiner Junge beschenkt bekommen, ihm fehlt schon lange die Feder auf dem Hut und innen ist er ganz schwarz geräuchert. Den Engel mit dem Kerzenständer, den haben wir unserer Mareike zu ihrem ersten Weihnachtsfest geschenkt. Und zu den Krippenfiguren bekommt Dorothee von ihrer Patentante zu jedem Weihnachtsfest zwei weitere dazu geschenkt. Ich liebe die Vortage vor dem ersten Advent, wenn mit den „Männeln“ allmählich die Adventsstimmung bei uns einzieht. Ich spüre: „Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen.“ (Ps. 130,6 – Monatsspruch Dezember 2016). Ich erlebe bei mir in diesen voradventlichen Tagen eine große Sehnsucht nach Gott. Aber ich spüre auch, ich kann Gottes Anwesenheit nicht einfach herstellen. Ich muss warten, dass Gott bei mir einzieht. Ich merke: Ich muss mir und Gott Zeit lassen.

Und dazu ist der Advent da: 24 Tage, in denen Gott Zeit hat, bei uns einzukehren. Ich muss nur mein Herz öffnen und ich spüre, das Auspacken der Weihnachtskisten hilft mir dabei. Mit jedem Räuchermann, jedem Engel, jedem Nussknacker wird mein Herz ein bisschen weiter und ich fange an innerlich und im Stillen zu singen: „Komm, o mein Heiland Jesu Christ, / meins Herzens Tür dir offen ist. / Ach zieh mit deiner Gnade ein; / dein Freundlichkeit auch uns erschein. / Dein Heilger Geist uns führ und leit / den Weg zur ewgen Seligkeit. / Dem Namen dein, o Herr, / sei ewig Preis und Ehr.“ (Strophe 5 des Liedes „Macht hoch die Tür“.)

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