"Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes":

Zum besseren Verständnis des Gottesdienstes – Teil 2

Unser evangelischer Gottesdienst besteht aus drei oder vier Teilen:

  1. Eingangsteil mit Eröffnung und Anrufung
  2. Verkündigung
  3. Abendmahl
  4. Sendung und Segen.

Das Abendmahl kann wegfallen. Dabei finden wir zunächst aus dem Alltag zum Beten (Teil 1), dann zum Hören auf Gottes Wort (Teil 2) und zum gemeinsamen Feiern am Tisch des Herrn (Teil 3), schließlich zurück in den gesegneten Alltag (Teil 4).

Im Eingangsteil geht es darum, Herz und Sinn auf Gott auszurichten, den Alltag außerhalb der Kirchenmauern hinter sich zu lassen und sich im Beten auf das Hören von Gottes Wort vorzubereiten. Nach der Musik zum Beginn, der Begrüßung durch den Pfarrer und dem Eingangslied folgen dazu mehrere Gebete.

 

Zunächst beten wir miteinander den Wochenpsalm. Für jeden Sonntag im Kirchenjahr ist ein bestimmter alttestamentlicher Psalm ausgewählt. Im Psalmgebet stimmt die Gemeinde in das Gebet der jüdischen Schwestern und Brüdern mit ein. Wir bringen Dank und Bitte, Klage und Lob vor Gott. Das Gebet des Wochenpsalms wird mit einem gesungenen Lobpreis des dreieinigen Gottes abgeschlossen. Wir singen dann: Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immer dar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

Auch das anschließende „Kyrie eleison“ (griechisch, auf deutsch „Herr erbarme dich“) ist ein gesungenes Gebet. Das Kyrie ist schon sehr alt und war ursprünglich ein Huldigungsruf für den römischen Kaiser, der als Gottheit verehrt wurde. Wenn die römischen Kaiser nach einer siegreichen Schlacht mit ihrem Heer in Rom einzogen dann riefen die Menschen am Straßenrand „Kyrie eleison“. Die Christen im römischen Reich haben diesen Kyrieruf übernommen und auf ihren christlich-jüdischen Gott umgemünzt. Neben dem Ruf „kyrie eleison – Herr erbarme dich“ trat der Ruf „christe eleison – Christus erbarme dich“. Die Anzahl der Kyrierufe war ursprünglich nicht festgelegt und wurde schließlich auf den dreieinigen Gott ausgerichtet, so dass es zur Dreizahl kam: „kyrie eleison, christe eleison, kyrie eleison“. Im lutherischen Gottesdienst wird dies in griechischer und deutscher Sprache gesungen. Nach lutherischem Verständnis ist das Kyrie eleison im Eingangsteil des Gottesdienstes ein Lobgesang auf Gott, während es in den Fürbitten dazu dient, Gott um sein Erbarmen zu bitten.

Das Gloria (lateinisch: Ehre) ist die Fortführung des Engelgesangs aus der Weihnachtsgeschichte nach Lukas 2,14. Die himmlischen Heerscharen singen bei den Hirten auf den Feldern: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ Luther übersetzte „…und den Menschen ein Wohlgefallen“. Im Gottesdienst singen wir das Gloria in der Lutherübersetzung. Mit diesem Gloriagesang erinnert und wiederholt die Gemeinde den himmlischen Gesang der Engel an Jesu Geburtstag.Das Gloria entfällt vom 2. bis zum 4. Advent und in der Passionszeit.

An denhohen Feiertagen und zu den Festzeiten des Kirchenjahres, wie Ostern und Weihnachten, singen wir als Gloria die erste Strophe des Liedes "Allein Gott in der Höh sei Ehr" (EG 179). Der Gruß Der Herr sei mit euch und mit deinem Geist ist nicht irgendein Grußwort. Es soll zum Ausdruck bringen, dass der auferstandene Jesus Christus mit seinem Heil tatsächlich im Gottesdienst anwesend ist. Mit dem Tagesgebet, das nach dem Thema des Sonntags formuliert ist, endet der Eingangsteil des Gottesdienstes. Wir können im Tagesgebet noch einmal mit Gott selbst sprechen wie ein Kind mit dem Vater.

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