„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes"

Zum besseren Verständnis des Gottesdienstes – Teil 1

An vielen Sonntagen im Jahr erklingen in unseren Gottesdiensten die alten und wohlvertrauten liturgischen Gesänge. Wir singen mehr oder weniger bewusst oder unbewusst mit. Aber was singen wir da eigentlich? Und warum singen wir es? Welche Bedeutung haben die einzelnen „liturgischen Stücke" des Gottesdienstes? Und wie ist er eigentlich entstanden, unser evangelischer Gottesdienst? An dieser Stelle will ich unseren Gottesdienst etwas genauer erklären. Ich beginne mit einer kurzen Geschichte des Gottesdienstes.


Der evangelische Gottesdienst in seiner klassischen Form geht im Grunde bis auf die Urchristenheit zurück, er hat seine Wurzeln sogar in den antiken jüdischen Gottesdiensten: im Synagogengottesdienst und dem Tempelgottesdienst im Jerusalemer Tempel. Jesus selbst hat am Synagogengottesdienst teilgenommen und ist dort als Prediger tätig geworden (vgl. Lukas 4,16-30). Ebenso sind wohl auch die ersten Christen zum Gottesdienst in die Synagoge gegangen. Aber es gab offenbar nicht selten Konflikte, die schließlich zum Ausschluss der Christen aus den Synagogengemeinden führten. Dennoch haben die Christen wichtige Elemente des Synagogengottesdienstes in ihre christlichen Gottesdienste übernommen: das Verlesen und die Auslegung heiliger Texte, das Beten von Psalmen sowie liturgische Elemente z.B. „Heilig, Heilig, Heilig ist der Herr Zebaoth" und „Halleluja". Die andere Form des Gottesdienstes im antiken Judentum war der Tempelgottesdienst im Jerusalemer Tempel, bei dem Tieropfer dargebracht wurden. Die Jerusalemer Urgemeinde hat auch an den Tempelgottesdiensten teilgenommen (vgl. Apostelgeschichte 2, 46).
Darüber hinaus trafen sich die ersten Christen zu gemeinsamen Versammlungen in den Häusern ihrer Gemeindeglieder. Dort wurden, wie auch heute noch üblich, biblische Texte ausgelegt, gemeinsam gebetet und miteinander das Brot gebrochen (vgl. Apostelgeschichte 2, 42 und 46). Das Abendmahl der Urgemeinde in den Häusern war wohl noch ein Gemeinschaftsmahl zur Sättigung des Hungers, bei dem man richtige Mahlzeiten einnahm, die durch ein symbolisches Brotbrechen zu Beginn und einen herumgehenden Becher mit Wein nach dem Essen eingerahmt waren. Das änderte sich jedoch bei Paulus (vgl. 1. Korinther 11, 17-35). Paulus empfahl, zur Sättigung solle jeder für sich zu Hause essen. Im Abendmahl wurde fortan nur noch Brot und Wein eingenommen, was bis heute zumeist so praktiziert wird.
Um 150 n. Chr. gab es dann bereits die Grundstruktur unseres heutigen Gottesdienstes. Der Kirchenvater Justin der Märtyrer († um 165 n.Chr.) etwa beschrieb einen christlichen Gottesdienst mit Lesung biblischer Texte, Predigt, Fürbittengebet und Abendmahl. In der Kirchenordnung des Hippolyt finden wir Anfang des 3. Jahrhunderts bereits feste Formulierungen der Abendmahlsliturgie, die wir auch heute noch kennen: „Der Herr sei mit euch ...", „Die Herzen in die Höhe ...", „Lasset uns Dank sagen ...". Seit etwa 500 n. Chr. gehörte das „Kyrie eleison" zum Gottesdienst dazu. Ab dem 4. Jahrhundert entstanden im Oströmischen Reich (Konstantinopel) und im Weströmischen Reich (Rom) unterschiedliche gottesdienstliche Traditionen und Liturgietypen; diese Trennung in östliche und westliche Liturgien existiert bis heute. Im Westen bildete sich im 8. und 9. Jahrhundert n. Chr. die sogenannte katholische Messe heraus; aber erst seit dem Mittelalter wurde der Abendmahlswein nur noch von den Priestern getrunken, was in der katholischen Kirche bis heute zumeist praktiziert wird.
Martin Luther hat an der Form, den liturgischen Elementen, und den Inhalten der katholischen Messe festgehalten und nur wenige Veränderungen am Gottesdienst vorgenommen. Solche wenigen Veränderungen waren z.B. die Einführung der deutschen, statt der lateinischen Sprache, und die Erlaubnis, dass auch wieder Laien den Abendmahlswein trinken durften. Deswegen ähnelt unser evangelischer Gottesdienst noch heute der katholischen Messe, die sich seit dem 8. und 9. Jahrhundert n. Chr. wenig verändert hat.

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