Jahreslosung 2016

Gott spricht: Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet.
Jesaja 66, 13

Die männliche Seite Gottes ist uns sehr vertraut. Wir sprechen von Gott als Vater und als Herr. Beides sind männliche Bezeichnungen. Dass aber Gott auch eine weibliche Seite besitzt, wurde über die Jahrhunderte in einer von Männern dominierten Welt weitgehend vergessen. Dabei war den alten Hebräern durchaus bewusst, dass Gott auch weibliche Züge hat. Das hebräische Wort für Gottes Geist, heißt „ruach" und ist grammatikalisch eine weibliche Form. Die „ruach" müssten wir im Deutschen eigentlich sagen. Die „ruach" ist im alten Israel die mütterliche, weibliche Seite Gottes. Von Gottes Geist spricht letztlich auch die neue Jahreslosung für das Jahr 2016. Sie spricht von Gottes Geist als Trösterin.
Als ich mich mit dieser Andacht beschäftigt habe, habe ich meine Frau gefragt, was Frauen eigentlich besser können als Männer und meine Frau sagte: Frauen haben einen siebten Sinn. Und beim näheren Nachdenken fielen mir vier Dinge ein, die wohl zum siebten Sinn der Frauen gehören: der Sinn dafür, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, der Sinn für Kreativität, der Sinn für Frieden und Verständigung, der Sinn für den Trost zur rechten Zeit. Es war zum Beispiel die Friedensnobelpreisträgerin Berta von Sutner die sich engagiert für den Weltfrieden einsetzte, als die europäischen Staatsmänner in den ersten Weltkrieg schlitterten. Und unsere Mütter haben uns als Kinder getröstet. Ich glaube allerdings nicht, dass Frauen per se besser trösten, oder Frieden stiften können als Männer. Denn vielleicht wurde den Männern einfach allzu lange die einfühlsame Seite ihrer Persönlichkeit ausgetrieben. „Ein Junge weint nicht", hieß es ja immer. Und so sind wohl in vielen Jahrhunderten die Mütter die Trösterinnen und Friedenstifterinnern im Haus gewesen. Dass uns die Jahreslosung an die weibliche Seite Gottes erinnert, ist in meinen Augen darum gut so. Die Jahreslosung erinnert uns auf diese Weise an Gott. Dass er nicht Unfrieden will, sondern Frieden. Dass wir bei ihm Trost finden. Dass wir bei ihm geborgen sind, wie wir als Kinder geborgen waren, als uns unsere Mütter nach dem Sturz aufs Knie in ihre Arme nahmen und uns die Tränchen von den Wangen wischten.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und ein gesegnetes neues Jahr wünscht Ihnen herzlich im Namen aller Mitarbeiter und Kirchenvorsteher,
Ihr Pfr. Tobias Schwarzenberg.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren