Gedanken zur aktuellen Flüchtlingskrise

Während ich diese Zeilen schreibe gehen bewegende Bilder durch die Medien. Flüchtlinge in Ungarn werden zurückzuhalten. In München kamen an einem Wochenende über zehntausend Menschen an. Richtig erfassen kann es noch keiner und es gab seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in unserem Land auch keine vergleichbare Situation. Die Herausforderungen an die Politik aber auch an die Städte und Gemeinden sind enorm. Auch in Eppendorf werden wohl demnächst Flüchtlinge untergebracht werden. Sie kommen wahrscheinlich aus Ländern, in denen Gewalt, Terror und Krieg herrschen. Sie werden höchst wahrscheinlich auch aus einem anderen Kulturkreis kommen, mit anderen Sitten, Gewohnheiten, einer anderen Sprache usw. Wie gehen wir als Christen mit dieser Situation um? Zwei Haltungen nehme ich allgemein in der Bevölkerung wahr. Da gibt es die einen, die dem ganzen mit großer Euphorie entgegensehen. Viel mehr noch sehe ich aber eine enorme Verunsicherung, die bis zu Ablehnung reicht. Da gibt es viele berechtigte Sorgen. Und es wäre wirklich blauäugig, wollte man die Schwierigkeiten übersehen. Da gibt es aber noch viel mehr pauschale Unterstellungen, die eben so wenig am Platz sind. Ich denke, keiner hat sich diese Situation gesucht. Trotzdem sind wir in dieser Lage gefordert, als kommunale Gemeinde und als christliche Gemeinde in ihr. Der Kern christlicher Ethik ist nach Jesus die Gottes- und die Nächstenliebe. Und was Nächstenliebe heißt, erklärt er mit einer Beispielgeschichte vom sog. barherzigen Samariter. (nachzulesen im Lukasevangelium Kap. 10,29-37) In dieser Geschichte ist es der Fremde, der Samariter, der sich als barmherziger Nächster erweist. Und an den Schriftgelehrten, der sich gern theoretische Gedanken über die Nächstenliebe macht, ergeht am Schluss die Antwort: „Dann geh und mach es ebenso.“

Schaffen wir es als Christen, auf diese Fremden zuzugehen und ihnen nach unseren Möglichkeiten zu helfen? Schaffen wir es, nicht nur theoretisch über Nächstenliebe zu reden, sondern konkret anzufassen wo und wann wir gebraucht werden?

Wie würde es uns selbst gehen, wenn wir durch einen Krieg unsere Heimat verlassen müssten, um in der Fremde neu anzufangen?

Wie würden wir selbst in so einer Situation gern behandelt werden?

Im Namen aller Mitarbeiter und Kirchvorsteher grüßt Sie,
Ihr Pfr. Tom Seidel