Predigt zum Ostersonntag 2014 über 1.Korinther 15, 19-29

Liebe Gemeinde,

in der Karwoche sitzt ein Pfarrer bei Bier in der Dorfkneipe und spielt mit seinen Skatbrüdern eine Partie Karten. Der Pfarrer meint den anderen überlegen zu sein, und bringt deshalb eine kühne Wette auf den Plan. Wenn er im Skatspiel verlieren sollte, würde er allen Leuten in der Kneipe die Rechnung des heutigen Abends bezahlen. Aber dann geschieht das für ihn so Unerwartete, er macht den letzten Platz. Ist es an sich schon merkwürdig, dass ein Pfarrer in der Karwoche bei Bier in der Kneipe sitzt, so muss man über diesen auch noch sagen, dass er ein schlechter Verlierer ist. Er streitet vehement ab, überhaupt jemals diese Wette eingegangen zu sein. Er zetert so lange, bis sich seine Skatbrüder auf einen Kompromiss einlassen. Seine Spielschuld wird ihm erlassen, wenn es ihm gelingen sollte, in der Osterpredigt dreimal das Wort „Trumpf“ einzubauen. Die Tage bis Ostern ist das ganze Dorf in großer Spannung, ob und wie der Pfarrer die schwierige Aufgabe bewerkstelligen würde. Am Ostersonntag ist die Kirche voll wie sonst nie und eine angespannte Stille herrscht, als der Pfarrer auf die Kanzel steigt. Was würde er jetzt sagen? Dann beginnt er seine Predigt und erzählt: „Als das Grab am Ostermorgen leer war, da rief Gott Trumpf, Trumpf, Trumpf.“

Liebe Gemeinde, am Ostermorgen hat Gott in seinem Spiel gesiegt. Es war das Spiel mit dem Tode, wie Paulus  in unserem Predigttext bekennt. Bei diesem Spiel hat Gott seinen großen Trumpf ausgespielt: Jesus Christus, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, aber am dritten Tage auferstanden von den Toten.

Als Jesus am Kreuz bekannte, es sei vollbracht, da wähnte sich der Tod schon als der sichere Sieger, ähnlich wie der Pfarrerkollege beim Skat in der Kneipe. Es ist vollbracht, für den Tod hieß das, der Sieg ist eingefahren, der Triumph ist auf seiner sicheren Seite. In Gedanken sah er sich schon dabei zu, wie man ihm den Siegeskranz umhängen würde. Aber der Tod hatte seine Rechnung in diesem Spiel ohne Gott gemacht. Denn Gott hatte seinen großen Trumpf noch in der Hinterhand aufgespart. So konnte er zum Gegenschlag ausholen und triumphierend ausrufen: „Trumpf, Trumpf, Trumpf“.

Liebe Gemeinde, vielleicht meinen sie jetzt, dass meine Schilderung nicht ganz realistisch ist. Denn schließlich geht der Tod noch immer unter uns hin und her. Seine Henkersknechte verüben tagtäglich in seinem Auftrag ihr Werk, überall auf der Welt. Grabsteine werden gekauft und Stiefmütterchen auf Gräber gepflanzt, Zeichen für die Realität des Todes von der auch der humorige Philosoph Odo Marquard erzählen konnte. Er meinte die Sterblichkeit der menschlichen Gesamtpopulation betrage durchschnittlich 100 Prozent. Wie ist da vom triumphalen Sieg Gottes zu reden?

Nun, vielleicht so, dass wir bekennen: Gottes Spiel mit seinem ärgsten Feind geht weiter, jedenfalls für uns. Gott hat den Sieg zwar schon einmal errungen, aber das war eben nur die erste Runde. Auf der Punkteliste konnte er unter seinem Namen einen Strich setzen, aber den Gesamtsieg hatte er damit noch nicht. Paulus bekennt es so: „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.“ Was Paulus Erstling nennt, ist nichts anderes als die erste Runde im Spiel.

So geht das Spiel seither in immer neue Runden. Wir können freilich nicht mit letzter Sicherheit beweisen, dass Gott auch diese Partien gewinnt. Wir können das nur im Glauben erträumen und mit Vertrauen im Gebet von Gott erbitten. Aber wir dürfen hoffen, dass Gott noch viele weitere Ässer parat hat, dass ihm auch bei uns Christus als Trumpf dienen wird, dass Jesu Auferstehung eben nur der Anfang war. Paulus formuliert diese Hoffnung, indem er schreibt: „Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.“

Paulus treibt schließlich noch eine weitere Zuversicht an. Er vertraut darauf, dass es irgendwann ein allerletztes Match geben wird, in dem Gott zum finalen Triumph ausholt, in welchem sein Gegner endgültig nichts mehr entgegen setzen kann. Der Apostel sagt es so: „Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.“ Und er weiß, dass wird in den Tagen sein, wenn Jesus Christus zu uns wiederkehrt. Dann nämlich, so Paulus, ist Gott alles in allem. Es ist die Zeit, von der die Johannesoffenbarung bekennt, dass es keine Tränen, keinen Schmerz, kein Leid mehr geben wird und auch der Tod nicht mehr sein wird.

Bis Christus wiederkehrt. So lange haben wir uns noch zu gedulden. So lange bleibt uns nur, uns immer wieder in die Hoffnung der Auferstehung und die Hoffnung auf ewiges Leben bei Gott einzuüben.

Diese unsere christliche Hoffnung ist schließlich ein weiterer Trumpf Gottes, in seinem Spiel mit dem Tod. Gottes Gegner hat nämlich ebenfalls einen Joker im Ärmel: Die Angst des Menschen vor ihm. Denn diese Angst kann den Menschen zu einem rücksichtslosen, gewaltbereiten Gesellen machen, und dies spielt Gottes Konkurrent in die Hände. Genau das wusste schon Paulus  als er ebenfalls im 15. Kapitel seines Ersten Korintherbriefes fragte: „Tod, wo ist dein Stachel?“, um dann die Antwort zu geben: „Der Stachel des Todes ist die Sünde.“ Man braucht sich ja nur mal anzuschauen, wie mitunter Kriege funktionieren: Da greift einer den anderen an, bevor er selbst angegriffen wird. Oder nehmen wir das Friedensabkommen für die Ukraine: Keiner will als erster die Waffen strecken, es könnte ja sein, der Gegner nutzt das, um anzugreifen.

Unser Glaube, der sich zur Hoffnung auf Ewiges Leben und Auferstehung bekennt, begehrt auf gegen die Angst, die der Tod verbreitet und nimmt Gottes Gegenspieler so seinen entscheidenden Trumpf aus der Hand. Unser Glaube will uns versöhntes Leben schenken, schon hier und heute, ein Leben frei von Angst. Solch ein versöhntes Leben ist geschenkte Lebenszeit. Denn frei nach Albert Schweizer könnte man sagen: In jeder Minute, die du in Angst vor dem Tod verbringst, verlierst du 60 Sekunden deines Lebens.

Liebe Gemeinde, als das Grab am Ostermorgen leer war, da rief Gott Trumpf, Trumpf, Trumpf. Der Pfarrer, der in der Kneipe seine Skatpartie verloren hatte, der hat recht mit dem, was er auf der Kanzel verkündet.  Der Ostermorgen mit seinem leeren Grab war Gottes erster Sieg. Mit dem Wissen um diesen Morgen in Jerusalem lasst uns leben. Lasst uns darauf vertrauen, dass wie einst Christus, so auch wir in Gottes Welt eingehen werden. Lasst uns in diesem Glauben, die Angst überwinden durch die Osterfreude. Wenn uns das gelingt, kann Gott in seinem Spiel mit dem Tod einen weiteren Punkt auf der Habenseite verbuchen. Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft und stärker als der Tod, er bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Pfarrer Tobias Schwarzenberg