Predigten & Impulse

Hier versuchen wir immer mal wieder schon gehaltene Predigten in schriftlicher Form zu veröffentlichen.

Wir wünschen Ihnen Gottes reichen Segen und ein »hörendes Herz«!

Sie können uns natürlich gern an Ihren Erfahrungen, sowie Kritik & Lob in Form eines Kommentars teilhaben lassen oder eine persönlichen Nachricht an unsere Pfarrer schicken.

Monatsspruch Mai 2017

Es ist ein herausfordernder Monatsspruch, der uns für den Monat Mai gegeben ist: „Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt.“ (Kolosser 4,6)

Um es gleich vorweg zu nehmen: Es geht hier nicht nur um öffentliche Reden von Politikern oder Predigten von Pfarrern. Es geht um unsere alltägliche Kommunikation. Es geht um die Gespräche in der Familie, der Nachbarschaft, auf Arbeit, im Dorf. Wie oft höre ich da, dass die Gerüchteküche brodelt und eher unfreundlich übereinander gesprochen wird. Viel besser wäre es doch, nicht übereinander, sondern miteinander zu reden. Und, jetzt kommt die Herausforderung, freundlich miteinander reden. Das setzt voraus, das ich mein Gegenüber in seiner Andersartigkeit akzeptiere und offen für ihn bin. Was wäre für unser Miteinander gewonnen, wenn wir uns angewöhnen würden, freundlich miteinander zur reden!Aber dabei bleibt Paulus nicht stehen. Er fügt noch eins hinzu: Eure Rede sei mit Salz gewürzt. Das ist für unsere Ohren nicht sofort eingängig. Was soll das bedeuten? Wir kennen in unserer Sprache eine andere Redewendung: „eine gepfefferte Rede halten“. Damit meinen wir: mal so richtig vom Leder ziehen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Was Paulus sagt geht aber meines Erachtens  noch mal in eine andere Richtung. Vielleicht macht man sich dieses Bildwort am besten an seinem Gegenteil klar: Ein ungesalzenes Essen schmeckt fad. Es hat keinen Geschmack. Da fehlt etwas. Und eine ungesalzene Rede ist ebenso fad, belanglos, man müsste auch nichts sagen… Das heißt: was wir sagen, soll Inhalt haben, der Wahrheit entsprechen, belangvoll sein und den anderen weiterbringen – eben mit Salz gewürzt sein. Und genau hier sehe ich für uns die Herausforderung diese Monatsspruchs: freundlich sollen wir reden – und zugleich mit Salz gewürzt. Eben nicht dem anderen die Wahrheit wie einen nassen Waschlappen um die Ohren hauen, sondern ihn eher wie in einen wärmenden Mantel darin einhüllen. Ihm auch nicht nur in scheinbarer Freundlichkeit nach dem Mund reden, sondern in einer guten Weise seine eigene Meinung vertreten.Ich kenne Menschen, die das für mein Empfinden gut können. Und ich bewundere das und versuche, es nachzumachen. Und Sie?

Bist du es?

Johannes der Täufer fragt Jesus aus dem Gefängnis heraus: „Bist du es, … oder sollen wir auf einen andern warten?“  Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch die Texte des Matthäusevangeliums: Neugeborenes Kind in Bethlehem – bist du der König, der uns Frieden bringt, oder sollen wir auf einen andern warten? Kämpfer für die Armen und die Übersehenen – bist du der von Gott Gesandte oder bist du nur ein Träumer? Vertrauter, der uns in der Not allein lässt und dann plötzlich doch wieder auftaucht – bist du „Gott mit uns“ oder bist du bloß ein Gedankengespenst?

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Eine Weihnachtspredigt

Weihnachtspredigt von Pfarrer Tom Seidel

Zum Christfest 2016

Liebe Gemeinde, liebe Gäste,

es gibt wohl kaum ein Fest, dass mit so großen Erwartungen verbunden ist wie das Weihnachtsfest.
Denn zu Weihnachten, da wollen wir allen gerecht werden. Auch mit Zeit und Zuwendung:
Am ersten Feiertag besuchen wir meine Eltern und am zweiten deine, am 27. die Familie meiner Schwester und am 28. die Familie deines Bruders. So war es immer und basta.“

Der Erwartungsdruck geht, zumindest zu großen Teilen, von uns selbst aus, oder? Wir wollen eine blitzsaubere Wohnung, geschmackvoll dekoriert, ein gekonnt zubereitetes Festessen und eine entspannt-fröhliche Atmosphäre. Kurz: Der Druck wächst, eine „heile“, eine irgendwie vorzeigbare Familie zu sein. Wenigstens für die Zeit ab dem dritten Advent.

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Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen

Wir gehen in die Abstellkammer, die Kinder voran. Ihre Augen leuchten ein bisschen heller als sonst. Vom Regal holen wir die Weihnachtskisten herunter. Die „Männeln“ werden sanft aus ihrem Jahresschlaf geweckt, um für ein paar Wochen an unserem Leben teilzuhaben. Jede Figur, jedes Stück hat seine eigene Geschichte. Den Vogelfänger-Räuchermann habe ich als kleiner Junge beschenkt bekommen, ihm fehlt schon lange die Feder auf dem Hut und innen ist er ganz schwarz geräuchert. Den Engel mit dem Kerzenständer, den haben wir unserer Mareike zu ihrem ersten Weihnachtsfest geschenkt. Und zu den Krippenfiguren bekommt Dorothee von ihrer Patentante zu jedem Weihnachtsfest zwei weitere dazu geschenkt. Ich liebe die Vortage vor dem ersten Advent, wenn mit den „Männeln“ allmählich die Adventsstimmung bei uns einzieht. Ich spüre: „Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen.“ (Ps. 130,6 – Monatsspruch Dezember 2016). Ich erlebe bei mir in diesen voradventlichen Tagen eine große Sehnsucht nach Gott. Aber ich spüre auch, ich kann Gottes Anwesenheit nicht einfach herstellen. Ich muss warten, dass Gott bei mir einzieht. Ich merke: Ich muss mir und Gott Zeit lassen.

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„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“:

Zum besseren Verständnis des Gottesdienstes - Teil 4: Abendmahl und Segen

Der Gottesdienst wird entweder gleich nach den Fürbitten mit dem Segen des Pfarrers beendet, dann sagen wir „Predigtgottesdienst“. Oder es schließt sich das Heilige Abendmahl mit der Abendmahlliturgie an, dann sprechen wir vom „Abendmahlsgottesdienst“.

In der Liturgie zur Vorbereitung auf das Heilige Abendmahl erklingt als erstes das große Lobgebet (lateinisch: „Präfation“), dass der Pfarrer zumeist singt. Daran schließt sich das „Heilig, Heilig, Heilig“ (lateinisch: „Sanctus“) an. Es geht zurück auf den Gesang der himmlischen Engel in Jesaja Kapitel 6, Vers 3: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!“. Darauf folgt das wichtigste Gebet der Christenheit, das Vaterunser. Es wird in allen christlichen Konfessionen gleichermaßen gebetet und ist das einzige Gebet, welches Jesus gelehrt hat.

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Impuls August 2016

Die Ferien sind fast vorüber, der Urlaub vorbei, ein neues Schuljahr beginnt. Mit neuer Kraft und frischen Eindrücken geht es wieder in den Alltag. Auf den Feldern und im Garten ist viel gewachsen. Von großen Unwettern sind wir größtenteils verschont worden. Ist das für uns selbstverständlich? Ist es einfach Glück, Zufall? In den Losungen stand am 29. Juni ein Satz aus der Apostelgeschichte: Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt (Apg. 14,17).

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"Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes":

Zum besseren Verständnis des Gottesdienstes – Teil 3: Verkündigung und Bekenntnis

Der zweite Teil des Gottesdienstes Verkündung und Bekenntnis ist vom Hören und vom Antworten der Gottesdienstbesucher geprägt, er ist wie ein Glaubensgespräch gestaltet. Man hört in den Lesungen und in der Predigt auf Bibeltexte. Zunächst auf einen Abschnitt aus einem Brief des Neuen Testaments (Epistel) oder auf einen Abschnitt aus dem Alten Testament und danach auf einen Auszug aus den Evangelien mit Worten oder Geschichten von Jesus. Zwischen der ersten und der zweiten biblischen Lesung singen wir als Antwort den Hallelujaruf und das Wochenlied. Das Wort Halleluja (Deutsch: Preiset Gott!) stammt aus dem biblischen Hebräisch und setzt sich zusammen aus dem Wort hillel (Deutsch: preisen, verherrlichen) und der Kurzform Jah des Gottesnamens Jahwe. So ist der Hallelujaruf ein Lobpreisruf. Das Wochenlied ist für jeden Sonntag vorgegeben und auf das Thema des jeweiligen Sonntags abgestimmt. Auf die Lesung des Evangeliums antwortet die Gemeinde mit dem Glaubensbekenntnis. Das Apostolische Glaubensbekenntnis, welches wir in aller Regel sprechen, entstammt im Kern einem alten römischen Taufbekenntnis des 2. Jahrhunderts n. Chr. und wurde in der heutigen Form im 5. Jahrhundert n. Chr. formuliert. Der zweite Teil des Gottesdienstes endet mit dem Dankgebet und den Fürbitten. Mit diesen beiden Gebeten antworten wir auf die Predigt. 

 

Monatsspruch Juli 2016

"Der Herr gab zur Antwort: Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen. Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will."

(2. Mose 33,19 – Monatsspruch Juli)

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"Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes":

Zum besseren Verständnis des Gottesdienstes – Teil 2

Unser evangelischer Gottesdienst besteht aus drei oder vier Teilen:

  1. Eingangsteil mit Eröffnung und Anrufung
  2. Verkündigung
  3. Abendmahl
  4. Sendung und Segen.

Das Abendmahl kann wegfallen. Dabei finden wir zunächst aus dem Alltag zum Beten (Teil 1), dann zum Hören auf Gottes Wort (Teil 2) und zum gemeinsamen Feiern am Tisch des Herrn (Teil 3), schließlich zurück in den gesegneten Alltag (Teil 4).

Im Eingangsteil geht es darum, Herz und Sinn auf Gott auszurichten, den Alltag außerhalb der Kirchenmauern hinter sich zu lassen und sich im Beten auf das Hören von Gottes Wort vorzubereiten. Nach der Musik zum Beginn, der Begrüßung durch den Pfarrer und dem Eingangslied folgen dazu mehrere Gebete.

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Impuls April 2016

Es gibt viele ledige Frauen auf dieser Welt.
Sie essen, trinken und gestalten ihr Leben.
Das ist wichtig und schön.
Es ist aber nicht mit dem Tag zu vergleichen, an dem ein junger, sehr gut aussehender und kluger Prinz auf eine dieser Frauen zukommt und zu ihr spricht: Ich habe lange gesucht, doch jetzt weiß ich, dass du meine Auserwählte bist.
Ich denke, das ist einer der schönsten Tage in ihrem Leben. Sie ist nicht nur eine Frau auf dieser Welt, sondern sie ist die Frau. Sie ist seine Auserwählte!
Was macht das mit ihr?

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Der Ostertermin

Wie kommt das eigentlich, dass Ostern dieses Jahr so zeitig ist? so bin ich schon hin und wieder mal gefragt worden. Im Kirchenjahr gibt es Feste, die immer am gleichen Termin gefeiert werden, so z.B. Weihnachten oder der Reformationstag. Die werden immer am 25. Dezember und am 31. Oktober gefeiert. Daneben gibt es aber auch Feste, die im Datum variieren. Und Dreh- und Angelpunkt ist da tatsächlich das Osterfest. Nach dem Osterfest richten sich viele andere Feste und Festzeiten.

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„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes"

Zum besseren Verständnis des Gottesdienstes – Teil 1

An vielen Sonntagen im Jahr erklingen in unseren Gottesdiensten die alten und wohlvertrauten liturgischen Gesänge. Wir singen mehr oder weniger bewusst oder unbewusst mit. Aber was singen wir da eigentlich? Und warum singen wir es? Welche Bedeutung haben die einzelnen „liturgischen Stücke" des Gottesdienstes? Und wie ist er eigentlich entstanden, unser evangelischer Gottesdienst? An dieser Stelle will ich unseren Gottesdienst etwas genauer erklären. Ich beginne mit einer kurzen Geschichte des Gottesdienstes.

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Jahreslosung 2016

Gott spricht: Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet.
Jesaja 66, 13

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Gedanken zur aktuellen Flüchtlingskrise

Während ich diese Zeilen schreibe gehen bewegende Bilder durch die Medien. Flüchtlinge in Ungarn werden zurückzuhalten. In München kamen an einem Wochenende über zehntausend Menschen an. Richtig erfassen kann es noch keiner und es gab seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in unserem Land auch keine vergleichbare Situation. Die Herausforderungen an die Politik aber auch an die Städte und Gemeinden sind enorm. Auch in Eppendorf werden wohl demnächst Flüchtlinge untergebracht werden. Sie kommen wahrscheinlich aus Ländern, in denen Gewalt, Terror und Krieg herrschen. Sie werden höchst wahrscheinlich auch aus einem anderen Kulturkreis kommen, mit anderen Sitten, Gewohnheiten, einer anderen Sprache usw. Wie gehen wir als Christen mit dieser Situation um? Zwei Haltungen nehme ich allgemein in der Bevölkerung wahr. Da gibt es die einen, die dem ganzen mit großer Euphorie entgegensehen. Viel mehr noch sehe ich aber eine enorme Verunsicherung, die bis zu Ablehnung reicht. Da gibt es viele berechtigte Sorgen. Und es wäre wirklich blauäugig, wollte man die Schwierigkeiten übersehen. Da gibt es aber noch viel mehr pauschale Unterstellungen, die eben so wenig am Platz sind. Ich denke, keiner hat sich diese Situation gesucht. Trotzdem sind wir in dieser Lage gefordert, als kommunale Gemeinde und als christliche Gemeinde in ihr. Der Kern christlicher Ethik ist nach Jesus die Gottes- und die Nächstenliebe. Und was Nächstenliebe heißt, erklärt er mit einer Beispielgeschichte vom sog. barherzigen Samariter. (nachzulesen im Lukasevangelium Kap. 10,29-37) In dieser Geschichte ist es der Fremde, der Samariter, der sich als barmherziger Nächster erweist. Und an den Schriftgelehrten, der sich gern theoretische Gedanken über die Nächstenliebe macht, ergeht am Schluss die Antwort: „Dann geh und mach es ebenso.“

Schaffen wir es als Christen, auf diese Fremden zuzugehen und ihnen nach unseren Möglichkeiten zu helfen? Schaffen wir es, nicht nur theoretisch über Nächstenliebe zu reden, sondern konkret anzufassen wo und wann wir gebraucht werden?

Wie würde es uns selbst gehen, wenn wir durch einen Krieg unsere Heimat verlassen müssten, um in der Fremde neu anzufangen?

Wie würden wir selbst in so einer Situation gern behandelt werden?

Im Namen aller Mitarbeiter und Kirchvorsteher grüßt Sie,
Ihr Pfr. Tom Seidel

Wie die Kinder - Monatsspruch September 2015

Auf der Wiese vor dem Haus blühen Margeriten, orange-rotes Habichtskraut, Glockenblumen, Giersch und Johanniskraut um die Wette. Mancher Erwachsener läuft achtlos darüber hinweg und zertritt die Blüten, für ihn sind sie allenfalls Unkraut. Emma, ein Mädchen im Kindergartenalter aber läuft mit einem Lachen auf die Wiese und pflückt sich einen blühenden Sommerstrauß davon. Mit Begeisterung bringt sie ihn der Mutter. Kinder haben sich Eigenschaften bewahrt, die wir Erwachsenen manchmal längst verloren haben: Kinder sind staunende Entdecker.

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